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Die Begriffe "Gender" und "Mainstreaming"
Gender - das bedeutet, nicht stereotyp "die Frauen" oder auch "die Männer" in den Blick zu nehmen, sondern Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit und Vielfalt zu berücksichtigen. Niemand ist nur männlich oder nur weiblich, aber wir leben in einer Welt, die maßgeblich durch die Zuweisung von Geschlechterrollen geprägt ist. Frauen und Männer werden ständig daran gemessen, wie weiblich oder wie männlich sie sich verhalten; und Menschen werden auch immer wieder mit impliziten geschlechtsspezifischen Erwartungen konfrontiert. Daher ist es wichtig, Geschlechterdifferenzen wahrzunehmen, sie aber nicht - wie es auch das Bundesverfassungsgericht sagt - als tradierte Rollenzuweisungen zu verfestigen. Mit Gender sind also immer auch Vorstellungen von Geschlecht gemeint, die sich ändern lassen.
Mainstreaming bedeutet, dass bei allen Entscheidungen, also im Hinblick auf Produkte, Außendarstellungen, Personal und Organisation, immer berücksichtigt wird, dass sich Frauen und Männer in unterschiedlichen Lebenslagen befinden. Nur wer die jeweiligen Unterschiede berücksichtigt, kann Diskriminierung vermeiden. Mit der Strategie des Gender Mainstreaming wird verhindert, dass scheinbar neutrale Maßnahmen faktisch zu Benachteiligungen führen. Mit Gender Mainstreaming sind nicht mehr nur einige wenige Akteure mit Gleichstellungsfragen befasst, sondern alle Akteure sind gefordert, Gleichstellung von Frauen und von Männern systematisch mitzudenken.
Der Begriff Gender stammt aus dem angloamerikanischen Sprachraum. Er ist heute als Fachbegriff auch im deutschen Sprachgebrauch etabliert. Weltweit gibt es an vielen Universitäten Gender Studien, also Geschlechterstudien, wo wissenschaftlich untersucht und auch gelehrt wird, welche Dimensionen Geschlecht hat. Eines von vielen Beispielen an deutschen Universitäten ist der Berliner transdisziplinäre Studiengang an der Humboldt Universität zu Berlin [www.gender.hu-berlin.de].
Gender bezeichnet in Ergänzung zum nur biologischen Geschlecht ("sex") das soziale Geschlecht. Geschlecht ist damit mehr als nur eine genetische Disposition oder etwas generell Unveränderliches. Vielmehr ist Gender ein Ergebnis von Erziehung, Rollenzuweisungen auch im Alltag oder Selbstidentifikation, von Lebenschancen, von Bildern und kulturellen Traditionen und entsteht in verschiedenen kulturellen und sozialen Praktiken.
Gender benennt damit einen wichtigen Teil dessen, was in einer Gesellschaft Männer und was Frauen ausmacht: im Sinne der Zuweisung von Rollen und Aufgaben, im Sinne der Wahrnehmung tatsächlicher oder vermeintlicher Unterschiede und Gemeinsamkeiten, im Sinne unserer Vorstellungen von "Männlichkeit" und "Weiblichkeit". Dabei werden Menschen nicht nur durch Gender geprägt, sondern auch durch andere Faktoren sozialer Strukturierung wie die ethnische Zugehörigkeit, die sexuelle Orientierung, die individuelle Befähigung oder Behinderung, die soziale Lage oder das Alter.
Einen Beitrag zu unserer allgemeinen Vorstellung von Gender leisten die Medien, einen anderen leistet auch das Recht: Gesetze definieren oft nicht ausdrücklich, aber sehr oft mittelbar, was Männer und was Frauen mit welchen Folgen tun. Ein Indiz für diese Normierung ist die Sprache, in der historisch das generische Maskulinum dominiert, die männliche Form also als Ersatz für die differenzierte Beschreibung der Wirklichkeit genutzt wird. Mittelbar werden implizit nicht selten Leitbilder konstruiert, die tatsächlich nur Männer oder nur Frauen leben können.
Dimensionen von Geschlecht
Dimensionen von Gender sind nachzuweisen - so definieren es auch zahlreiche internationale Organisationen - insbesondere in den Bereichen Präsenz und Repräsentation in Politik und Gesellschaft, einschließlich der öffentlichen und privaten Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern Verteilung von Ressourcen, wie Zeit, Geld, Mobilität oder Information, Lebensbedingungen, insbesondere Betroffenheit von Gewalt und Ausgrenzung, Normen und Werte, auch Leitbilder, Stereotypen und Vorverständnisse.

