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Die Gestaltung von Fortbildung

Gender Mainstreaming (GM) setzt auf motiviertes und kompetentes Personal, um die Gender-Aspekte in alle Sachgebiete und Handlungsfelder integrieren zu können. Zentraler Bestandteil der Personalentwicklung ist die Fortbildung als systematisch angelegtes Programm. Sie gehört daher auch zum Reformprozess der Verwaltungsmodernisierung.

Zielgruppen der Fortbildung sind alle Beschäftigten der öffentlichen Verwaltung, auf der Arbeitsebene ebenso wie in Führungsverantwortung. Mit Fortbildungsmaßnahmen sollen sie sich für die aktuellen und zukünftigen Aufgaben und Anforderungen in der modernen Verwaltung qualifizieren können. In der Fortbildung wird ein Ausgleich geschaffen zwischen den persönlichen Interessen, Ambitionen und sozialen Verpflichtungen des Personals und den dienstlichen Anforderungen.

Ziele werden ebenso wie Inhalte und Methoden des Fortbildungsprogramms auf die aktuellen Anforderungen der Verwaltungsarbeit zugeschnitten. Die Umsetzung von GM im Bereich der Fortbildung bedeutet, Wissen um GM und  zu Gender zu vermitteln und auch Übungen mit praktischen Beispielen zur Umsetzung von GM in die Fortbildung zu integrieren.

GM wirkt sich insgesamt auf die Planung von Fortbildung und noch spezieller auf die Auswahl externer Unterstützung aus. Wichtig ist es, den Bedarf an Fortbildung genau zu erfassen. Maßnahmen der Fortbildung sollten zudem evaluiert werden. Ein gutes Fortbildungsprogramm genügt bestimmten Qualitätsstandards. Die Angebote im Fortbildungsprogramm müssen

  • die Zielgruppe erreichen,

  • das für das Alltagsgeschäft notwendige Wissen anbieten,
  • aktuell sein und
  • in Bezug auf das Gleichstellungswissen ständig optimiert werden.

Das bedeutet:

  • gute Fortbildung beruht auf guter Einschätzung und Bewertung des Fortbildungsbedarfs.
  • Fortbildung enthält die Orientierung auf die Gleichstellungsdimensionen der Tätigkeit als Routine und schult den Umgang mit Instrumenten des GM in der alltäglichen Arbeit.
  • Fortbildung ist umso erfolgreicher, je enger sie an die Alltagspraxis anknüpft.

Ziele der Fortbildung zu Gender Mainstreaming

Ziele von GM-Fortbildungen sind u.a.:

  • Vermittlung von fachlichen Informationen zu den europäischen und internationalen Übereinkünften, den Umsetzungsanordnungen der Regierung, zu Abläufen und Maßnahmen, zu den Zielen der Implementierung von GM und Beispielen der Umsetzung von GM in anderen Ländern,
  • Vermittlung von Fachwissen zum Gleichstellungsauftrag,
  • Anregungen und Arbeitshilfen für die Umsetzung der Fortbildungsinhalte im Aufgabenbereich,
  • Vermittlung von Informationen zu Expertinnen und Experten, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und gesellschaftlich relevanten Gruppen, die über Gender-Kompetenz verfügen,
  • Erarbeiten von eigenen GM-Instrumenten, ihre Anwendung und Erprobung und die Einführung in Controlling-Verfahren.

Inhalte und Methoden der Fortbildung zu Gender Mainstreaming

Die Implementierung der Strategie Gender Mainstreaming erfordert Gender-Kompetenz. Die Anforderungen an Gender-Kompetenz sind - ebenso wie die Methoden ihrer Vermittlung - in Abhängigkeit von der jeweiligen Aufgabe zu bestimmen. Führungskräfte benötigen neben dem Fachwissen auch das Wissen um Gender Mainstreaming als Strategie, Referentinnen und Referenten wiederum detailliertes Wissen zu Gender-Aspekten in den Fachgebieten. Durchgängig gehören zur Gender-Kompetenz:

  • die Sensibilisierung für Diskriminierung,
  • das Grundlagenwissen um die Bedeutung von Gender im Fachgebiet und
  • das Wissen um die Implementierung von GM.

Diese Elemente können durch Fortbildung auf unterschiedliche Weise vermittelt werden. Methoden, Aufwand und Auswahl der Lehrenden werden an den Zielen der Fortbildung orientiert. In Betracht kommen:

  • individuelles und kollektives Briefing,
  • Vortrag und Präsentation,
  • Gender Training,
  • Workshop und Planspiel,
  • Arbeitsgespräch.

In der Fortbildung zur Sensibilisierung für Diskriminierung werden thematisiert:

  • Wahrnehmung von und Einfühlungsvermögen in die vielfältigen Reaktionen, Interessen und Erfahrungen unterschiedlicher Männer und unterschiedlicher Frauen,
  • Reflexion von Interaktionen in Bezug auf ihre geschlechtsspezifischen Voraussetzungen und Wirkungen,
  • selbstkritische Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle, den Erfahrungen und den eigenen Vorverständnissen zu Geschlechterverhältnissen.

In fachbezogener Fortbildung werden thematisiert:

  • die gesellschaftlichen Auswirkungen von Geschlechterdifferenzen,
  • Ziele, Geschichte und Instrumente der Gleichstellungspolitik und Anwendungsweisen von Gleichstellungsmaßnahmen,
  • die für das Fachgebiet relevanten Dimensionen von Gender.

In der Fortbildung zur Implementierung von GM werden thematisiert:

  • die Wertschätzung der Gleichstellungsziele und weitere Ziele von GM,
  • Strategien der Durchsetzung von GM,
  • der Umgang mit Akzeptanzproblemen,
  • die Vermittlung und Konkretisierung der GM-Ziele,
  • Möglichkeiten des Controlling.

Gender Mainstreaming in der Planung von Fortbildung

Gender Mainstreaming muss auch in der Planung von Fortbildungen berücksichtigt werden. Dieser Auftrag richtet sich an:

  • Fortbildungsverantwortliche in den Ressorts,
  • Angehörige der Bundesakademie für die öffentliche Verwaltung (BAKöV), an andere Fortbildungseinrichtungen und an interne und externe Experten und Expertinnen in der Fortbildung.

Es geht um:

  • Hinweise zur Integration von GM in die Fortbildung. Die für Fortbildung Verantwortlichen in den Ministerien sollen in die Lage versetzt werden, auf allen Ebenen das notwendige Wissen zu vermitteln, das als Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung von GM gilt,
  • Evaluation und Ergebniskontrolle von Fortbildungsprogrammen.

Die Auswahl von fachkompetenten Personen für Fortbildungen in diesem Bereich hat eine große Bedeutung für die Akzeptanz des Angebotes.

  • Innerhalb der BAKöV sind die dort tätigen Dozentinnen und Dozenten dafür verantwortlich, dass GM-Fachwissen und GM-Implementierungsverfahren in die laufenden Programme integriert werden.
  • In den Ressorts liegt es im Zuständigkeitsbereich der Personal- und Fortbildungsbeauftragten, sich Kenntnisse zu Geschlechterdifferenzen, den Gleichstellungszielen und den Zielen von GM anzueignen, um das Fortbildungsprogramm für das Haus angemessen gestalten zu können.
  • Externe, die in der Fortbildung zu GM in der Verwaltung tätig werden, benötigen neben einer qualitativ hochwertigen Gender - Kompetenz auch besondere Kenntnisse in der methodischen Aufbereitung und Darbietung der GM-Inhalte sowie Erfahrungen mit den speziellen Anforderungen der öffentlichen Verwaltung.

Es gibt einige Indikatoren, die es ermöglichen, Qualifikationen zu erkennen, die in diesem Bereich wichtig sind. Sie gelten auch für den gesamten Bereich der Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten. Indikatoren sind:

  • Ausbildung: Studium der Frauen-/ Geschlechterforschung, entsprechende Schwerpunktsetzung (z.B. einzelne spezialisierte Seminare, Frauen-/ Geschlechterforschung im Ausland; Ausbildung in spezialisierten Institutionen; Trainings zu Geschlechterrelevanz in speziellen Bereichen);
  • Mitgliedschaft in relevanten Berufsorganisationen, Netzwerken usw.;
  • nachgewiesene und dauerhafte Zusammenarbeit mit Organisationen, die über Gender-Kompetenz verfügen, z.B. Verbände oder spezialisierte Nichtregierungsorganisationen;
  • relevante Praxis- oder Felderfahrung in der Frauen-/ Geschlechterforschung, in der Arbeit mit dem Ziel der Gleichstellung und Chancengleichheit, insbesondere aus der öffentlichen Verwaltung;
  • Referenzen kompetenter Institutionen.

Literaturhinweise:

Baur, Esther/Marti, Madeleine, Kurs auf Gender Kompetenz, Basel, 2000.
Burbach, Christiane/Schlottau, Heike (Hg.) Abenteuer Fairness - Ein Arbeitsbuch zum Gendertraining, Göttingen 2001.
Gender Mainstreaming in Sachsen-Anhalt, Broschüre des Ministeriums für Arbeit, Frauen Gesundheit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt http://www.gisa.de.

Voraussetzungen für den Erfolg der Fortbildung zu GM:

  • Das Programm und die methodischen Konzepte werden mit erfahrenen Personen aus der Verwaltung überprüft und fortgeschrieben.
  • Die Ausbildungsverantwortlichen der Ressorts sind kompetent und engagieren sich in der Fortbildung.
  • Das Programm wird nachhaltig durchgeführt, die Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen wird geschätzt und positiv bewertet.
  • Die Mischung aus Theorie und Praxis ist immer eher an Praxis orientiert, bzw. beinhaltet viele Praxiselemente.
  • Ein Workshop zur Einübung der Anwendung von Arbeitshilfen knüpft eng an die täglichen Arbeitserfordernisse der Beteiligten an.
  • In der Fortbildung werden immer auch Akzeptanzprobleme thematisiert, wobei mit der Menge an fachlichen Informationen über die gesellschaftlichen Auswirkungen von Geschlechterdifferenzen das Interesse und die Akzeptanz wachsen.
  • Jede Fortbildungsveranstaltung wird von einer oder mehreren Führungskräften begleitet, zumindest aber eingeleitet.