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Die Gestaltung der Ressortforschung
Der Ressortforschung kommt für die Arbeit der Verwaltung oft eine wichtige Bedeutung zu. Sie liefert nicht selten die Grundlagen, um Politik zielgruppenorientiert und zielgenau entwickeln und gestalten zu können. Die Strategie des Gender Mainstreaming setzt ebenfalls darauf, in allen Sachgebieten die Bedeutung oder Wirkung von Gender-Aspekten genau zu erkennen. Mit quantitativen und qualitativen Daten und Forschungsergebnissen können insbesondere unbeabsichtigte geschlechtsspezifische Ungleichbehandlungen und Benachteiligungen erkannt und bewertet werden (Beispiele).
Für die Ressortforschung bedeutet Gender Mainstreaming, in allen Phasen gleichstellungsorientiert zu handeln. Von der Forschungsfrage über die Auswahl der Forschenden bis hin zur Abnahme eines Schlussberichtes sind Gender-Aspekte zu beachten. Fragestellungen müssen geschlechtsdifferenziert formuliert und Daten differenziert erhoben werden. Die Ergebnisse sind geschlechterdifferenziert darzustellen. Dazu gehört auch die geschlechtergerechte Sprache. Gender Mainstreaming in der Ressortforschung bedeutet, einen Gender Bias (Literatur) zu vermeiden, der zu unbeabsichtigten systematischen Verzerrungseffekten und Auslassungen führt.
Die systematische Beachtung der Kategorie Gender in der Forschung erzwingt ein Umdenken in den Methoden, Prämissen und Fragestellungen. Wichtige Erkenntnisse hat dazu die im Zusammenhang mit der neuen Frauenbewegung außeruniversitär entstandene Frauenforschung erbracht, die heute gemeinsam mit der kritischen Männerforschung (Men´s Studies) und den Queer Studies sowie postkolonialen Studien insbesondere gegen Rassismus Teil der Geschlechterforschung ("Gender Studies") ist.
In diesem Zusammenhang sind auch im Auftrag der Bundesregierung zahlreiche differenzierte Studien zu Gender-Aspekten in verschiedenen Sachgebieten erstellt worden: http://www.bmfsfj.de/Kategorien/Publikationen/Publikationen.html
http://www.bmbf.de/pub/lebenslagen_von_maedchen_und_frauen.pdf.
Die Umsetzung von Gender Mainstreaming in der Ressortforschung wird durch die "Arbeitshilfe zu § 2 GGO: Gender Mainstreaming in Forschungsvorhaben" (Ressortforschung) unterstützt.
Um inhaltliche Vorgaben durchzusetzen und die Berücksichtigung der GM - Grundsätze bei der inhaltlichen Ausgestaltung von Forschungsvorhaben zu gewährleisten, verpflichtet das BMFSFJ die Auftragnehmerinnen und Auftragnehmer vertraglich entsprechend, indem dem Vertrag eine Anlage Bedingungen zur Gewährleistung der Gleichstellung von Frauen und Männern in Forschungsvorhaben beigefügt http://www.bmfsfj.de wird.
Beispiele
Die Aggregierung von Daten ausschließlich auf der Ebene von "Haushalt" oder "Familie" zeigt nicht die geschlechtsspezifisch unterschiedliche Betroffenheit von Frauen wie Männern in Haushalten bzw. Familien. So fehlen wichtige Daten für die zielgruppengenaue Steuerung.
In der Gesundheitsforschung ist lange nicht wahrgenommen worden, dass die Symptomatik von Herz- und Kreislauferkrankungen bei Frauen und Männer verschieden ist - mit der Folge, dass Erkrankungen bei Frauen nicht immer zutreffend diagnostiziert wurden. Angeblich geschlechtsneutrale, letztlich aber geschlechtsblinde Forschungsansätze haben dazu geführt, dass nicht differenziert diagnostisch und therapeutisch gearbeitet werden konnte.
Literatur
Eichler, Margrit: Nonsexist Research Methods. A Practical Guide. Allen & Unwin, Boston London Sydney Wellington 1988.
Eichler, Margrit; Lapointe, Jeanne: On the Treatment of the Sexes in Research, published by the Social Sciences and Humanities Research Council of Canada, 1985.
von Braun, Christina/Stephan, Inge (Hg.): Gender-Studien. Eine Einführung. Stuttgart 2000.
Becker-Schmidt, Regina/Bilden, Helga, Impulse für die qualitative Sozialforschung aus der Frauenforschung. In:
Uwe Flick u.a. (Hg.), Handbuch Qualitative Sozialforschung. München: Psychologie Verlags Union 1991.
Behnke, Cornelia/Meuser, Michael, Geschlechterforschung und qualitative Methoden, Opladen: Leske & Budrich 1999.
Harding, Sandra, Das Geschlecht des Wissens. Frankfurt, New York: Campus 1991, Exemplarisch für den Bereich der Gesundheitsforschung.
Fuchs, Judith; Maschewsky, Kris; Maschewsky-Schneider, Ulrike: Zu mehr Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern: Erkennen und Vermeiden von Gender Bias in der Gesundheitsforschung. Deutsche Bearbeitung eines vom kanadischen Gesundheitsministerium herausgegebenen Handbuchs, erarbeitet von Margrit Eichler et al. Dezember 1999. Blaue Reihe Berliner Zentrum Public Health, Berlin Mai 2002 (http://www.bzph.de/csg/bzphDe/content/e4/e91/reihe_name99/index_ger.html).
Jahn, Ingeborg: Methodische Probleme einer geschlechtergerechten Gesundheitsforschung. In: Hurrelmann, Klaus; Kolip, Petra (Hrsg.): Geschlecht, Gesundheit und Krankheit. Männer und Frauen im Vergleich. Bern 2002.

