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Die Gestaltung von Öffentlichkeitsarbeit
Die Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung dient der Informationsvermittlung ihrer politischen und fachlichen Ziele und zur Darstellung der Arbeit der öffentlichen Verwaltung. Öffentlichkeitsarbeit ist die Kommunikation der Bundesregierung mit den Bürgerinnen und Bürgern; mit ihr werden gesellschaftspolitische Wahrnehmungs- und Kommunikationsprozesse beeinflusst. Im Reformprozess "Moderner Staat - Moderne Verwaltung" bildeten Information, Dialog und Kooperation mit der Öffentlichkeit einen Teil der Verwaltungsmodernisierung mit dem Schwerpunkt beim Ausbau der Internetangebote (E-Government). Mit dem Medium Internet werden die direkte Interaktion und Kooperation mit den Bürgerinnen und Bürgern als eine neue Dimension von Öffentlichkeitsarbeit erschlossen.
Auch für das Aufgabengebiet Öffentlichkeitsarbeit besteht, wie für die anderen Aufgabenbereiche der öffentlichen Verwaltung, die Verpflichtung zur Umsetzung der Strategie Gender Mainstreaming (GM). Dabei kann in diesem Bereich ebenfalls an Erfahrungen und umfangreiche Literatur angeknüpft werden, denn an den Instrumenten der Öffentlichkeitsarbeit, vor allem an den Medien Text, Bild und Ton setzen seit langem Bemühungen an, Gender-Aspekte zu integrieren und mit Öffentlichkeitsarbeit gezielt die Gleichstellung von Männern und Frauen zu fördern.
Das Bundespresseamt hat eine "Checkliste Gender Mainstreaming bei Maßnahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" entwickelt. Sie dient der systematischen Berücksichtigung der Gleichstellungsperspektive in der Öffentlichkeitsarbeit. Die Checkliste wird gegenwärtig in allen Bundesministerien getestet. Auf der Grundlage der Ergebnisse einer Evaluation der Probephase soll die Checkliste weiter qualifiziert und als Instrument für Öffentlichkeitsarbeit von allen Ressorts regelhaft genutzt werden.
Besonders entscheidend ist hier die sprachliche Gleichstellung der Geschlechter. Gleiches gilt für die Auswahl von Bildmaterial. Auch scheinbar geschlechtsneutrale Abbildungen von Personen werden in der Öffentlichkeit immer auch als Männer- bzw. Frauen(Vor)Bilder wahrgenommen. Mit Bildern werden häufig - unbeabsichtigt - Stereotypisierungen von Männern und Frauen transportiert. Mit geschlechtssensibler Öffentlichkeitsarbeit kann daher auch die Effizienz von Öffentlichkeitsarbeit erhöht werden.
Einige Literaturhinweise zur Gleichstellung in der Öffentlichkeitsarbeit
Cornelißen, Waltraud; Gebel, Christa: Gleichberechtigung on air? Zur Präsentation von Männern und Frauen im niedersächsischen Rundfunk. Eine empirische Untersuchung im Auftrag der niedersächsischen Landesmedienanstalt für privaten Rundfunk, 1999.
Deutscher Journalistinnenbund, Wer macht die Nachrichten? Zur Sichtbarkeit von Frauen in den Medien, 2002.
Holtz-Bacha, Christina; Fröhlich, Romy: Wie die Medien die Welt erschaffen und wie Menschen darin leben, 1998.
Huhnke, Brigitta: Macht, Medien und Geschlecht. Eine Fallstudie zur Berichterstattung der dpa, der taz sowie der Wochenzeitungen Die Zeit und Der Spiegel von 1980 bis 1995, 1996.
Klaus, Elisabeth, Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung, 1998.
NOS Gender Portrayal Department. Informative Programmes. Media Portryal of Women and Men, 1996.
Schmerl, Christiane (Hg.): In die Presse geraten. Darstellung von Frauen in der Presse und Frauenarbeit in den Medien. 2. durchges. Auflage, 1989.
Schmerl, Christiane: Frauenbilder in der Werbung, in: Mühlen-Achs, Gitta (Hg.): Bildersturm. Frauen in den Medien, 1990, S. 183 - 204.
Seifert, Ruth: Machtvolle Blicke. Genderkonstruktion und Film, in: Mühlen-Achs, Gitta; Schorb, Bernd (Hg.): Geschlecht und Medien, 1995.
Gender-Aspekte in der Öffentlichkeitsarbeit
- In den Print- und Onlineprodukten wird häufig - auch wenn bestimmte Zielgruppen direkt angesprochen werden sollen - nicht zwischen Frauen und Männern unterschieden. Damit werden zugleich auch die Unterschiede in der Lebenswirklichkeit von Frauen und Männern ausgeblendet und es bleibt letztlich unklar, wer eigentlich gemeint ist. Denn Frauen und Männer leben z.B. aufgrund ihrer Herkunft, ihres kulturellen Hintergrundes, ihres Alter, ihrer körperlichen Behinderung/Befähigung oder sexuellen Orientierung in vielfältigen Lebensverhältnissen und sozialen Bezügen, die ebenso von ihrer Geschlechtszugehörigkeit wie von den anderen Dimensionen bestimmt sind.
- In politischen und auch wirtschaftlichen Botschaften werden oft Statistiken genutzt, ohne dass die Daten nach Geschlecht und nach weiteren Kriterien gegliedert sind. Die daraus abgeleiteten Aussagen sind undifferenziert und zugleich ungenau.
- Geschlechterdifferenzen werden häufig verzerrt in Form von Geschlechtsstereotypen, in Vorurteilen oder mit Werturteilen verknüpft dargestellt (Gender Bias).
- In Bildern - Fotos, Grafiken oder Videos - tragen schon kleine Nuancen (beispielsweise in Haltung, Anzahl, Kleidung der abgebildeten Personen oder in der Farbgebung) dazu bei, bestehende Geschlechterstereotypen zu bestärken und zu verfestigen - oder aber, diese zu brechen.
- Differenzierung - Diversität: Männer und Frauen sind in sich verschieden. Möglichst genaue Differenzierungen in der Ansprache der jeweiligen Zielgruppen sind notwendiger Bestandteil einer gleichstellungssensiblen Öffentlichkeitsarbeit.

