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Inhalt

Effiziente Implementierung durch Organisation und Ressourcen

In der Verwaltung ist die Wahrnehmung von Querschnittaufgaben, zu denen die Umsetzung von Gender Mainstreaming gehört, auf allen Ebenen des Regierungshandelns in aufgabengerechten Organisationsstrukturen abzusichern. Aufgaben und Zuständigkeiten für die Gleichstellungsorientierung in der Facharbeit müssen folglich in erprobte Organisationsstrukturen der modernen Verwaltung integriert werden. Dabei ist den Anforderungen an Effizienz und Wirtschaftlichkeit von Verwaltung ebenso Rechnung zu tragen wie der Bedeutung der Aufgabenstellung. Mit der Umsetzung von Querschnittaufgaben wie Gender Mainstreaming werden zugleich neue Kooperationsstrukturen und innovative Arbeitsformen der modernen Verwaltung unterstützt (§ 4 GGO).
Nationale wie auch internationale Erfahrungen zeigen, dass bestimmte Aspekte für die organisatorische Verankerung von Gender Mainstreaming in der öffentlichen Verwaltung von Bedeutung sind. Dies sind eine aufgabengerechte Organisationsstruktur mit eindeutigen Zuständigkeiten sowie die Bereitstellung von Ressourcen. Mit einigen Beispielen aus dem Ausland kann das unterstrichen werden.

Aufgabengerechte Organisationsstrukturen

Zur Schaffung einer aufgabengerechten Organisationsstruktur sind vorab

  • die Aufgaben bei der Umsetzung von Gender Mainstreaming im Ressort (in der Regierung) im Kontext des regulären Aufgabenkatalogs der Beschäftigten (der Ressorts) und die Kooperationserfordernisse zu bestimmen,
  • der Koordinierungs- und Steuerungsbedarf zu definieren,
  • Entscheidungsbefugnisse und Verantwortlichkeiten festzulegen,
  • im Rahmen einer Bedarfs- und Potenzialanalyse die vorhandenen fachlichen und organisatorischen Kompetenzen zu identifizieren.

Organisatorisch wird Gender Mainstreaming verankert durch

  • die Zuständigkeit und Verantwortlichkeit für die Umsetzung von Gender Mainstreaming bei jedem Fachressort,
  • die Definition von Gender Mainstreaming als Führungsaufgabe (Top Down Ansatz),
  • eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe mit Koordinierungsfunktion für den Gesamtprozess auf Regierungsebene mit der Federführung und der Verantwortlichkeit für Geschäftsführung und Berichterstattung bei einem Ressort,
  • die ausdrückliche Zuweisung der Zuständigkeit für die Koordination und Steuerung der Umsetzung in der Phase der Implementierung und der Umsetzung in die Alltagsroutine an eine bestehende Organisationseinheit bzw. die Schaffung einer neuen Organisationseinheit mit Querschnittfunktionen im Ressort,
  • die Schaffung einer abteilungsübergreifenden Arbeitsgruppe (inklusive Geschäftsführung) mit Steuerungsfunktion für den Ressortprozess bei der Abteilung Verwaltung,
  • die ausdrückliche Zuweisung der Aufgabe von Gender Mainstreaming in den Aufgabenkatalog aller Beschäftigten.

In den Bundesministerien wurde die Strategie Gender Mainstreaming unter Berücksichtigung grundsätzlicher Prinzipien der Verwaltung in unterschiedlicher Weise organisatorisch verankert (Praxis der Bundesministerien).

Ressourcen für Gender Mainstreaming

Die Umsetzung von Gender Mainstreaming in die Alltagspraxis der Verwaltung ist eine Aufgabe, die sich nicht nebenbei erledigen lässt. Neben personellen Ressourcen sind spezialisiertes Fachwissen und Gender - Kompetenz gefordert. Insbesondere Kenntnisse zu Unterschieden von Lebenslagen von Männern und Frauen, zu Geschlechterverhältnissen und zu möglichen spezifischen Situationen von Zielgruppen muss verfügbar sein, um Politik gleichstellungsorientiert gestalten zu können.

Personelle Ressourcen sind vorzusehen für alle Aufgaben, die im Rahmen der organisatorischen Absicherung von Gender Mainstreaming, wie beispielsweise abteilungsübergreifende Arbeitsgruppen, zu erfüllen sind. Die Leitung trägt die Verantwortung für die sachgemäße Organisation dieser Ressourcen (§ 11 (2) GGO).

Materielle Ressourcen sind notwendig für die Finanzierung von externen Leistungen, wie

  • fachbezogene Fortbildung der Beschäftigten (Fortbildung),
  • geschlechterbezogene Analysen, Untersuchungen, Expertisen und Gutachten (Ressortforschung),
  • geschlechterdifferenzierte Aufbereitung von quantitativen und qualitativen Daten und Statistiken (geschlechterdifferenzierte soziale Daten),
  • kurzfristig oder längerfristig angelegte Beratung durch Expertinnen und Experten mit dem entsprechenden Fachwissen,
  • die Entwicklung von Instrumenten und Arbeitshilfen.

Eine zusätzliche Ressource zur Unterstützung der Umsetzung von Gender Mainstreaming kann auch die Beteiligung von fachkundigen Bürgerinnen und Bürgern und deren Zusammenschlüssen, Vereinen und Verbänden sein, die im Bereich der Gleichstellung der Geschlechter engagiert sind und über fachpolitisches Wissen verfügen. Dazu gehören u.a. der Deutsche Frauenrat und die in ihm zusammengeschlossenen Verbände sowie der Deutsche Juristinnenbund, politische Stiftungen oder Gewerkschaften. Auch Zuwendungsempfänger von Programmen (Pilotprojekte) verfügen vielfach über spezialisierte Kenntnisse in Politikfeldern, die über unterschiedliche Formen der Beteiligung in die Facharbeit einbezogen werden können.

Beispiele aus dem Ausland

International gehört die Bereitstellung von Ressourcen zu den wesentlichen Voraussetzungen für die Umsetzung von Gender Mainstreaming. Hier einige Beispiele:

  • die Einberufung von Arbeitsgruppen oder Steuerungsgruppen (in Schweden, Norwegen, Niederlande, Österreich),
  • der Einsatz von Gleichstellungsexpertinnen aus der Gleichstellungsabteilung des für Gleichstellung zuständigen Ministeriums in anderen Ministerien zur Beratung und Schulung (Schweden),
  • Schulung zu Gleichstellungsthemen auf allen Ebenen der Verwaltung (in Norwegen und Schweden),
  • Bestellung von Flying Experts zur Beratung in spezifischen fachlichen Fragestellungen (in Schweden, Niederlande),
  • die wissenschaftliche Begleitung des Implementierungsprozesses (in Schweden, Belgien, Niederlande),
  • die Entwicklung einer analytischen Methode zur Abschätzung der geschlechtsspezifischen Auswirkungen von Maßnahmen (Gender Impact Assessment - GIA) (in Finnland, Schweden, Niederlande),
  • die Beauftragung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit der Erarbeitung von Gutachten oder Studien (in Niederlande, Belgien, Kanada, Großbritannien).

Quelle: Schweikert, Birgit: Grundlagenpapier zu Gender Mainstreaming, 2000.





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